User-Diskussion zu Wohnkosten –

Posted by articleuzr on August 23rd, 2013 — Posted in Immobilien

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In den deutschen Großstädten lassen hohe Mieten arme Bürger häufig unter die Hartz-IV-Schwelle rutschen. Ist hier eine „Zwangsverarmung“ im Gange? Viele FOCUS-Online-User finden: Was da passiert, ist schlicht Marktwirtschaft.
Es ist ein ernüchternder Befund: In 60 von 100 der größten deutschen Städte haben einkommensschwache Familien nach Abzug der Miete weniger Geld zum Leben übrig als den Betrag, der ihnen mit Hartz IV zur Verfügung stünde. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.

Viele FOCUS-Online-User sind darüber entsetzt. „Das sind Zustände wie im finstersten Manchester-Kapitalismus“, schimpft Matthias Egerland. Und Thomas Prietz fügt hinzu: „Die Zwangsverarmung nimmt nun wirklich groteske Züge an.“

Allerdings schlagen sich längst nicht alle Kommentatoren auf die Seite der Mieter oder Eigentümer, die unter den hohen Wohnkosten ächzen. Auch die Nöte der Vermieterfraktion werden thematisiert – und nicht zuletzt Spielregeln der Marktwirtschaft, die für Mieter je nach Wohnort und Einkommenssituation oftmals schmerzhaft sein können.

Auch Vermieter haben hohe Kosten

Karl-H. Drainer zum Beispiel betont: „Seit ich ein eigenes Dach über dem Kopf habe, weiß ich was laufende Instandhaltung kostet, welche laufenden Rücklagen ich anzusparen habe, wenn ich die Immobilie so in Ordnung halten will, dass sich kein Mieter geschröpft fühlt.“ Dabei sei er kein Vermieter, beeilt er sich zu sagen. Stattdessen sei er lange Jahre Mieter in einer Industriestadt gewesen.

Auch H.-J. Mayer erinnert an die Belastungen für Vermieter – und daran, „dass die Wohnungswirtschaft, soweit diese privat finanziert wird, eben ein Geschäft wie jedes andere ist“. Er argumentiert: „Das Erstellen und die Instandhaltung von Wohnungen kosten viel Geld“ – ganz zu schwiegen von dem Risiko für den Vermieter, dass ein Mieter seinen Zahlungspflichten nicht nachkomme.

Carl Mueller
sieht die Sache pragmatisch. „Wer sich den Luxus leistet, in einer teuren Großstadt zu wohnen, der muss eben dann auch die entsprechenden Mieten bezahlen“, lautet sein Ratschlag. „Er könnte ja günstiger auf dem Land wohnen.“ Als Antwort auf die Entwicklung der Mieten etwa Mindestlöhne oder Mietpreisbremsen einzuführen, hält er jedenfalls für falsch. Es liege in der Verantwortung jedes Einzelnen, sich den Wohnraum zu suchen, der zu seinem Einkommen passt. „Die Marktgesetze sollten nicht noch mehr außer Kraft gesetzt werden.“

Arme Familien in die Leerstands-Gebiete?

Thomas Bormann weist darauf hin, dass viele Häuslebauer-Familien schließlich auch jahrelang von wenig Geld lebten, „bis sie ihre Immobilie einigermaßen im Griff haben“. Er sagt: „Man bekommt eben nicht alles unter einen Hut: Schöne Wohnung, Urlaub, Auto, teure Handies, Rauchen, ….“

Von der bisherigen Situation profitiere nicht zuletzt der Staat selbst, gibt Daniel Backhaus zu bedenken. „Solange der Staat vorzüglich an hohen Wohnkosten mitverdient, wird sich auch nichts ändern“, so sein Befund. Als Beispiele nennt er unter anderem „ständig neue staatliche kostensteigernde Auflagen für Vermieter, ständig höhere öffentliche Abgaben, ständig steigende Erstellungskosten mit anteilig entsprechend mehr Steuern“. Im Vergleich dazu fielen die Mieterhöhungen selbst in Ballungsgebieten häufig moderat aus, findet er.

Daniel Burmeister stellt im Hinblick darauf, dass einkommensschwache Familien häufig ausgleichende Sozialtransfers beziehen, die provokante Frage: „Wer sagt eigentlich, dass Hartz-IV-Familien in der Innenstadt leben müssen?“ Er schlägt vor, dass die Betroffenen dort hinziehen, wo es „ohnehin Leerstände gibt“. Sein Credo: „Wer Stütze bekommt, sollte schon einen Umzug hinnehmen müssen.“
 
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