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Überschätzen wir die eigene Immobilie? – Experte warnt: Die meisten Immobilienverkäufer rechnen sich ihr Häuschen schön

Freitag, Mai 20th, 2016

Eigenheimkäufer sollten sich von der Illusion verabschieden, dass ihre Immobilie eine sehr rentable Langfristinvestition sein wird. Auch das außergewöhnlich niedrige derzeitige Zinsniveau dürfte an diesem Sachverhalt für den typischen Haushalt nichts ändern.

Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen ist angesichts der Fundamentaldaten, darunter das hohe Mieterschutzniveau in Deutschland und die hierzulande regulatorisch bedingt hohen Baukosten, nicht damit zu rechnen, dass langfristig betrachtet künftige Wertsteigerungen nennenswert höher sein werden als in den vergangenen viereinhalb Jahrzehnten. Ferner ist das das Bewertungsniveau in mehreren attraktiven Großstädten schon heute blasenverdächtig, was vor wenigen Wochen auch die Bundesbank zum ersten Mal bestätigte. Die Kehrseite dieser hohen Preise sind niedrige Mietrenditen. Will heißen, dass gerade bei den attraktiven Eigenheimobjekten die eingesparte Miete als zentraler Renditebestandteil prozentual besonders schwach ist.

 

Wie die Zinsen wirken

Auch dürften die heutigen Tiefstzinsen nicht für immer so tief bleiben. Wenn sie steigen, könnte das den allgemeinen Immobilienmarkt ungünstig beeinflussen, selbst wenn sich der einzelne Haushalt heute eine 15-jaehrige Zinsbindung sichert.

Eine angemessene alternative Vermögensbildungsform sollte ungefähr den gleichen Risikograd haben wie kreditfinanzierte Wohnimmobilien. Das gilt für das in der Tabelle genannte 50/50-Portfolio aus westeuropäischen Aktien und mittelfristigen deutschen Staatsanleihen. Ein solches passives Buy-and-Hold-Portfolio aus simplen Indexinvestmentfonds dürfte langfristig gesehen für den typischen Mieterhaushalt in Deutschland – so wie auch den vergangenen viereinhalb Jahrzehnten – eine höhere Rendite aufweisen als ein Eigenheim, vorausgesetzt der Mieter ist diszipliniert genug, genauso viel zu sparen wie ein Eigenheimhaushalt, der seinen Kredit über 25 Jahre hinweg tilgt.

Immobilienkäufer liegen häufig falsch

Oft hört man von Eigenheimbesitzern, die mit diesen Daten konfrontiert werden: „Das ist ja alles gut und schön aber ich kaufe mir halt keine durchschnittliche oder unterdurchschnittliche Immobilie.“ Klingt zwar vernünftig aber nach Adam Riese muss für jeden, der es über den Renditemittelwert schafft, ein anderer existieren, der darunterliegt. Bezogen auf den Schulunterricht könnte man sagen: Und wenn die Eltern es noch so sehr wollen, nicht alle Kinder können und werden in der oberen Leistungshälfte der Klasse liegen.

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